Die Äußerungen von Bundesministerin Schröder, sich von der klassischen Gleichstellungspolitik abwenden zu wollen, sind skandalös. Sie sind ein Zeichen dafür, dass Frau Schröder nicht verstanden hat, worum es in der Gleichstellungspolitik geht. Artikel 3 des Grundgesetzes lautet: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Gleichstellungspolitik bedeutet nicht Politik gegen Männer, sondern Politik für Männer und Frauen.
Frauenpolitik
Es ist richtig, dass Jungen in der Schule und bei den berufsbildenden Abschlüssen von den Mädchen und Frauen überholt wurden und werden. Dennoch schaffen junge Männer viel leichter den Berufseinstieg. Sie verdienen dann bis zu 23 Prozent mehr als ihre Kolleginnen und sind in Führungsetagen fast komplett unter sich. Trotz offensichtlich besserer Bildungsabschlüsse sind Frauen in ihrem späteren Berufsleben gegenüber Männern benachteiligt. Das ist die gesellschaftliche Realität. Hier muss konkrete Gleichstellungspolitik ansetzen. Dafür müssen insbesondere Jungen und Mädchen aus bildungsfernen Schichten gleichermaßen gefördert werden, mehr Männer in typischen Frauenberufen (Erzieher, Lehrer, Pflegekräfte, Arzthelfer) und Frauen in typischen Männerberufen ausgebildet werden. Für eine gelingende Gleichstellungspolitik brauchen wir gesetzliche Regelungen zur Entgeltgleichheit und zur Quote für Frauen in Führungspositionen.
Denn mehr Frauen in Führungspositionen werden bewirken, dass sich eine frauen- und familienfreundliche Unternehmenskultur entwickeln wird, die heute noch geprägt ist von zu langen Arbeitszeiten und mangelnder Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Gleichstellungspolitik wird dazu beitragen, dass Männer und Frauen, Jungen und Mädchen gleichberechtigt leben können. Leider hat Frau Schröder dies nicht verstanden. Damit liefert sie einen weiteren Beleg dafür, dass sie als Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine Fehlbesetzung ist.
